Die Anfänge des Krankenhauses Bad Soden

Die Anfänge des Krankenhauses Bad Soden

Als im Frühjahr 1964 der Planungsauftrag für den Bau eines Krankenhauses in Bad Soden erteilt wurde, geschah dies aus der Not heraus. Bis dato gab es in der Region lediglich das Krankenhaus in Eppstein sowie einige kirchliche und freigemeinnützige Krankenanstalten, die jedoch bei weitem nicht den Bedarf an Krankenbetten im Main-Taunus-Kreis decken konnten. Während damals 130.000 Menschen im Landkreis lebten, standen insgesamt nur 494 Krankenhausbetten zur Verfügung und damit nach der vom Land festgesetzten Richtzahl von sieben Betten pro tausend Einwohner rund 416 Betten zu wenig. Um diesen Mangel zu beheben und zukünftig eine möglichst umfassende und ortsnahe Krankenhausversorgung zu gewährleisten, fassten die Kreiskörperschaften den Beschluss, ein Kreiskrankenhaus zur Akutversorgung im Bad Sodener Eichwald zu errichten.

Dennoch dauerte es noch etwas mehr als zwei Jahre bis der erste Spatenstich erfolgte sowie dreieinhalb weitere Jahre bis zur Eröffnung des Bad Sodener Kreiskrankenhauses:

  • September 1966: Mit dem ersten Spatenstich beginnt der Neubau des Kreiskrankenhauses Bad Soden
  • 7. Oktober 1968: Der Rohbau der Klinik ist fertiggestellt und wird mit einem Richtfest gefeiert
  • 20. März 1970: Feierliche Eröffnung
  • 6. April 1970: Die ersten Patienten werden aufgenommen

Bau des Kreiskrankenhauses Bad Soden: So sah der Rohbau aus.

"Wer das neue, […] Kreiskrankenhaus in Bad Sodens Eichwald zum erstenmal betritt, ist überwältigt"

So heißt es an Ostern 1970 im Artikel zur Eröffnung des Krankenhauses in der Bad Sodener Zeitung. Das liege nicht nur an der „modernen Konzeption“ der gesamten Anlage und Ausstattung, sondern vor allem auch an der besonderen Atmosphäre, die dem Patienten das Gefühl gäbe, die als kranker Mensch nötige Aufmerksamkeit zu erhalten.


Luftbildaufnahme des Kreiskrankenhauses Bad Soden 1972.

Tatsächlich war das viergeschossige Krankenhaus, das mit ca. 30 Millionen Mark Baukosten das bis dahin größte Projekt des Main-Taunus-Kreises darstellte, sowohl architektonisch als auch medizinisch-technisch nach modernsten Gesichtspunkten konzipiert und ausgestattet:

Moderne Patientenzimmer

Das Kreiskrankenhaus verfügte zu Beginn über 327 Betten, die unter Hinzuziehung des Nordflügels auf 400 aufgestockt werden konnten. Das Besondere an den Patientenzimmern: Sie waren hell, freundlich und modern eingerichtet; es teilten sich höchstens drei Patienten ein Zimmer und jedem stand ein eigener Nachttisch zur Verfügung. Darüber hinaus gab es Sitzmöbel, Vorhänge und Sonnenschutzblenden an den Fenstern sowie eine Waschnische pro Zimmer. Je zwei Zimmer teilten sich ein WC – ein enormer Fortschritt im Vergleich zu den bisher üblichen Krankensälen!


Die Patientenzimmer im Krankenhaus Bad Soden: Hell, freundlich und möbliert

Durchdachte Architektur

Dem Y-förmigen Bau des Gebäudes lag der Hintergedanke zugrunde, die Räumlichkeiten der Küche und Wäscherei – und somit Gerüche und Lärm – von den Stationen zu trennen und gleichzeitig kurze, zeitsparende Wege zwischen beiden Bereichen zu ermöglichen. Aus dem gleichen Grunde entschied man sich auch dafür, jede Abteilung auf ein eigenes Stockwerk zu verteilen. So hatte nicht nur das Krankenpflegepersonal kürzere Wege zurückzulegen, es fielen auch mühselige, etagenübergreifende Krankentransporte weg und Besucher konnten sich im Gebäude besser zurechtfinden.

Drei medizinische Fachabteilungen

Das Bad Sodener Kreiskrankenhaus verfügte zu Beginn über drei medizinische Hauptdisziplinen: Innere Medizin, Chirurgie und Gynäkologie bzw. Geburtshilfe. Zudem gab es eine Hals-Nasen-Ohren-Belegabteilung in der dritten Etage. Da infolge der zunehmenden Lebenserwartung die urologischen Erkrankungen auf 15-20 Prozent anstiegen und diese medizinische Disziplin immer mehr an Bedeutung gewann, wurde am 1. März 1973 außerdem eine urologische Abteilung mit 40 Betten im Bad Sodener Krankenhaus eingerichtet und innerhalb des nächsten Jahres derart erweitert, dass die Hals-Nasen-Ohren-Abteilung in das Kreiskrankenhaus nach Hofheim verlegt wurde, um die bedarfsbezogene Versorgung in der Urologie zu gewährleisten.

Innere Medizin

Die größte Abteilung des neuen Bad Sodener Krankenhauses stellte die Innere Medizin mit 128 Betten dar. Der Behandlungsschwerpunkt lag hier auf den Herz-Kreislauf-Erkrankungen, für deren Diagnose und Therapie den Ärzten in Bad Soden alle damals üblichen und notwendigen Apparaturen und Geräte zur Verfügung standen. Insbesondere die Zahl der Implantationen von Herzschrittmachern nahm in den 70er Jahren rapide zu – 1977 wurden im Bad Sodener Krankenhaus etwa 90 Patienten solche elektrisch gesteuerten Schrittmacher eingesetzt.


Darüber hinaus gab es auch im Bereich der Intensivstation – damals als „Intensiv-Pflegegruppe“ bezeichnet – modernste Überwachungsgeräte, die mithilfe von Monitoren und optischen Signalen eine ständige Kontrolle der Körperfunktionen schwerverletzter oder -kranker Personen ermöglichten. Diese Form der Überwachung von Puls, Blutdruck, Atemfrequenz, Temperatur und Herzstromkurve mit technischen Geräten stellte damals ein überaus modernes intensivmedizinisches Bewachungsverfahren dar.

Chirurgie

Hochmodern war auch die Ausstattung der Chirurgie, die mit 98 Betten die zweitgrößte Abteilung des Bad Sodener Kreiskrankenhauses bildete. Hier wurden vor allem Operationen im Bereich der Knochen- und Gefäßchirurgie vorgenommen, für die es sowohl einen Operationsbereich für stationäre als auch für ambulante Eingriffe gab. Dank der besonders umfangreichen apparativen und instrumentellen Ausstattung der Operationssäle sowie der sogenannten „vollständigen Narkoseeinrichtung“ konnten „nahezu alle chirurgischen Operationen“ (Main-Taunus-Almanach 1977, hrsg. v. Landrat Dr. Valentin Jost, S.191, 192) durchgeführt werden. Unter Berücksichtigung der aktuellsten Forschungserkenntnisse im Bereich der Krankenhaushygiene und Infektionsverhütung wurde 1975/76 der Einbau einer Patientenschleuse veranlasst.


Gynäkologie/Geburtshilfe

Die Gynäkologisch-Geburtshilfliche Klinik umfasste 62 Betten, drei Kreißsäle sowie eine Neugeborenen-Abteilung, die Platz für 30 Säuglinge bot. Auch hier entsprach die Einrichtung dem letzten Stand der Technik, wobei in der Gynäkologie ein besonderes Augenmerk auf der Krebsvorsorge lag.


Auszeichnung als Hessenklinik

1974 wurde das noch junge Kreiskrankenhaus wegen seiner fortschrittlichen und sozialgerechten Krankenhausversorgung vom Hessischen Sozialministerium mit der Auszeichnung als „Hessenklinik“ versehen. Diesen Titel durften nur jene Krankenhäuser tragen, die sich freiwillig nach dem neuen Krankenhausreformgesetz von 1973 richteten. Dieses Gesetz umfasste u.a. Richtlinien zur inneren Struktur und Organisation von Krankenhäusern sowie zur Sicherstellung der Krankenhausversorgung.

Das Krankenhaus Bad Soden entsprach einerseits diesen Richtlinien, da es von großen Stationen auf kleinere Pflegegruppen umgestiegen war, die jeweils höchstens 18 Patienten umfassten, die wiederum von einer Gruppenschwester mit sechs weiteren Schwestern versorgt wurden. Andererseits wurde in Bad Soden jeder Bürger – unabhängig von sozialer Herkunft und wirtschaftlicher Stellung – aufgenommen und gleichwertig behandelt.

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