Therapie der verschiedenen Bruchformen

Der Leistenbruch

In der modernen Leistenbruchchirurgie werden "offene" Operationsverfahren und endoskopische Techniken ("Schlüssellochchirurgie") angewandt. Beide Verfahren haben Vor- und Nachteile, auf die weiter unten eingegangen wird. Da die Leistenbruchbefunde, die Lebensumstände, körperlichen Gegebenheiten und Begleitkrankheiten der Patienten sehr unterschiedlich sind, gibt es kein Verfahren welches für alle Patienten das Beste ist, vielmehr wird individuell das bestmögliche Verfahren ausgewählt. In nahezu allen Fällen wird beim Erwachsenen ein Kunsstoffnetz implantiert, da nur so das Risiko für ein Rezidiv Wiederauftreten eines Bruches) minimiert werden kann. Alternativ kommen modernen Bio-Netze zum Einsatz. Die Operateure des Hernienzentrums Rhein-Main haben sowohl bei den "offenen" Verfahren (Lichtenstein / Shouldice) als auch bei den endoskopischen Techniken eine sehr große operative Erfahrung.

Die "offenen" Verfahren erfolgen in örtlicher Betäubung, in rückenmarksnaher Anästhesie oder in Vollnarkose über einen 4 bis 5cm langen Leistenschnitt. Die örtliche Betäubung ist bei Patienten mit sehr großen Brüchen und ungünstigen anatomischen Bedingungen, wie z.B. ausgeprägtem Übergewicht, ungeeignet.

Bei der endoskopischen Technik (Schlüssellochtechnik) wird zum Bruchverschluß von innen unter Kamerasicht ein Kunststoffnetz zwischen Bauchfell und Bauchwand eingesetzt. Der Eingriff erfolgt über 3 maximal 0,5 bis 1cm lange Hautschnitte. Bei der endoskopischen Operation ist immer eine Vollnarkose notwendig, weshalb sie für Patienten mit Narkoserisiken nicht das Verfahren der Wahl ist.

Der Nabelbruch

Der Nabelbruch ist nach der Leistenhernie die zweithäufigste Hernie der Bauchwand. Die Nabelhernie des Neugeborenen nimmt eine Sonderstellung ein, da sie nahezu nie einklemmt. Sie ist die einzige Hernie, die in 98 % der Fälle innerhalb von 2 Jahren eine Spontanheilung zeigt.
Jenseits des 2. Lebensjahres sollten alle Nabelhernien operativ behandelt werden, da jede vierte nicht operierte Nabelhernie im Laufe des Lebens einklemmt. Auch heute noch stellt die Einklemmung eines Nabelbruchs mit Darmbeteiligung eine lebensbedrohliche Situation dar.

Unser Konzept zur Operation von Nabelbrüchen:

Kleiner Nabelbruch (Bruchpforte < 1cm, ohne Risikofaktoren): Bruchverschluss durch Naht (bei schlanken Patienten in örtlicher Betäubung).
Alle anderen Nabelhernien werden durch Implantation eines Polypropylennetzes außerhalb der Bauchhöhle vor dem Bauchfell versorgt.

Die Schenkelhernie

Schenkelhernien gehören zu den Brüchen der Leistenregion. Die Bruchpforte liegt jedoch unterhalb des Leistenbandes (siehe Anatomie). Während Schenkelhernien beim Mann extrem selten sind (weniger als 1% der Leistenbrüche), ist bei der Frau jeder 8.-10. Bruch der Leistenregion eine Schenkelhernie. Bedingt durch die relativ kleine Bruchpforte findet sich bei einer Schenkelhernie oft keine typische Verwölbung unter der Haut. Zur Diagnoseerstellung ist neben dem tastenden Finger des erfahrenen Untersuchers oft die Ultraschalldiagnostik hilfreich. Bei Schenkelhernien kommt es im Gegensatz zu Leistenhernien häufiger zu einer Einklemmung, die Einklemmungswahrscheinlichkeit beträgt etwa 8% pro Jahr. Schenkelhernien gehen häufiger mit Schmerzen einher als Leistenbrüche. Daher sollten Schenkelhernien der Frau grundsätzlich nach Diagnosestellung operiert werden. Die operative Behandlung erfolgt wie beim Leistenbruch, in der mittels TEP-Verfahren. Auch eine eventuell später geplante Schwangerschaft ist dabei kein Problem.

Der Narbenbruch

Nach etwa jeder 10. Bauchoperation kommt es früher oder später zu einem Narbenbruch, wobei jede zweite Narbenhernie innerhalb des ersten postoperativen Jahres auftritt. Bei jährlich etwa 500.000 Bauchoperationen erkranken in Deutschland jedes Jahr 40.000 bis 70.000 Menschen an einem Narbenbruch. Narbenhernien treten an jedem Ort der Bauchwand offenbar unabhängig von der Art der Schnittführung auf.

Die Entstehung eines Narbenbruchs wird durch folgende Umstände begünstigt:

Husten, akute oder chronische Atemwegserkrankungen, maschinelle Beatmung nach Bauchoperation, Darmverschluss, Bauchwasser, Übergewicht, Nierenfunktionsstörungen, Wundinfekte, Zuckerkrankheit, Tumorleiden, Eiweißmangel, Alkohol- und Nikotin-Missbrauch, Bindegewebsschwäche, wiederholte Bauchschnitte, fehlerhafte Wundverschluss-Technik. Insbesondere ein Wundinfekt bei der ersten Operation ist mit einem erhöhten Risiko für einen Narbenbruch vergesellschaftet.
Jeder Narbenbruch sollte wegen der immer vorhandenen Gefahr der Einklemmung und Schädigung von Darmschlingen operativ beseitigt werden. Eine Spontanheilung ist wie bei allen anderen Bauchwandbrüchen nicht möglich. Ein eingeklemmter Narbenbruch ist ein chirurgischer Notfall, der umgehend operiert werden muss.

Das Behandlungskonzept der Narbenhernie im Hernienzentrum Main-Taunus:

Da Narbenhernien bei direkten Nahtverfahren ein hohes Risiko für einen Wiederholungsbruch (=Rezidiv) haben, werden im Hernien-Kompetenz-Zentrum Main-Taunus diese Hernien grundsätzlich durch ein Netz-gestütztes Verfahren versorgt. Das Risiko eines Wiederholungsbruches liegt je nach Größe der Hernie bei bis zu 50%.
Das Netz wird dabei stets in der sogenannten "Sublay-Technik" zwischen Bauchwand und Bauchfell, die Bruchpforte weit unterminierend eingebracht (siehe Abbildung) oder mit einem beschichteten Netz in offener IPOM-Technik, also direkt in die Bauchhöhle. Zunehmend werden auch diese Hernie mit einem der modernsten Verfahren (MILOS oder eMILOS) unter Aussparung der eigentlichen Bauchhöhle komplett extraperitoneal eingebracht. Es gibt nur wenige Kliniken n Deutschland, die diese Technik derzeit anbieten können.
Um Wiederholungsbrüche sicher zu verhindern, muss das Netz bei großen Brüchen die Bruchpforte ringsherum 4-5cm überlappen. Gelegentlich tritt nach der Einlage großer Kunststoffnetze ein Fremdkörpergefühl in der Bauchwand auf.


Bei Narbenbrüchen wird das Polypropylennetz stets vor dem Bauchfell und hinter den Bindegewebsplatten bzw. der Bauchwandmuskulatur eingebracht.


Die Bindegewebsplatte wird über dem Kunststoffnetz verschlossen.

Bauchwandbruch bei künstlichem Darmausgang (Parastomale Hernie)

Patienten, die einen künstlichen Darmausgang haben, leiden sehr häufig unter einer sog. parastomale Hernie. Bei parastomalen Hernien ist die Durchtrittsöffnung des Darmes durch die Bauchwand krankhaft erweitert, so dass ein Bruchsack häufig mit Eingeweiden nach außen hervortritt. Wenn die Vorwölbung neben dem Darmdurchtritt Beschwerden bereitet und dadurch die Versorgung des künstlichen Ausgangs mit Anus praeter Beuteln beeinträchtigt ist, besteht eine Operationsindikation. Wie bei anderen Bauchwandbrüchen ist die Versorgung mit einem Kunststoffnetz die Regel. In geeigneten Fällen kann die Kunststoffnetzeinlage auch im Rahmen einer Bauchspiegelung (laparoskopisch) durchgeführt werden.

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