Armplexus-Lähmung

Plexus brachialis-Lähmung

Der Armplexus besteht aus Nerven, die vom Rückenmark im Halswirbelbereich ausgehen und den gesamten Arm (inkl. Schultergürtel, Oberarm, Unterarm und Hand) motorisch und sensibel (Kraft und Gefühl) versorgen.

Verletzungen von Nerven des Armplexus kommen häufig in einer jüngeren, sportlichen Patientengruppe vor (typisch nach Motorrad- oder Fahrradunfall, häufiger bei Männern als Frauen). Man erkennt solche Schäden an Bewegungseinschränkungen in dem betroffenen Arm und Schultergürtel sowie auch durch Gefühlsstörungen in diesen Bereichen. In der Regel entstehen Lähmungen gleich nach dem Unfall. Abhängig von einzelnen Fällen kann es sich von einfacheren Dehnverletzungen oder Zerrungen bis zur Nervendurchtrennung oder Wurzelausriss in verschiedenen Höhen handeln.
In der akuten Phase (bei geschlossenen Verletzungen) sollen solche Armplexuslähmungen aktiv mit physiotherapeutischen Maßnahmen unter engmaschigen neurologischen Kontrollen behandelt werden. Bei über drei bis vier Monate hinausgehenden persistierenden Lähmungen und Gefühlsstörungen sollten die chirurgischen Behandlungsmöglichkeiten in Erwägung gezogen werden.

Die Rekonstruktion von Armplexusverletzungen ist von Art und Schweregrad der Verletzung abhängig. Bei vollständigen Wurzelausrissen sollten Nervenumleitungsmaßnahmen (z.B. Rippennerven zu Armnerven) durchgeführt werden. Dadurch werden die Nervenpotentiale von einem gesunden Nerv zu dem verletzten Nerv umgeleitet. Nach solchen Operationen sind physiotherapeutische “Umlernmaßnahmen” unverzichtbar. Wie bei der Rekonstruktion anderer peripherer Nerven ist das Wiedererlangen der Funktion vollständig abhängig von Art und Ausmaß der notwendigen Nervenrekonstruktion.


Verschiedene Varianten der Plexus brachialis Rekonstruktion. Die primäre Plexus-Versorgung sollte so bald als möglich nach einer Verletzung erfolgen. Nur so bestehen Chancen für die direkte Reinnervation der gelähmten Muskelgruppen

Bei einfacher Nervendekompression (Bedrängung der Nervenfasern von Narbengewebe) ist die Prognose am günstigsten. Bei anderen Arten von Rekonstruktionen (Naht der Armplexusnerven, Nervenumleitungsmaßnahmen etc.) ist die Prognose abhängig davon, wie früh die Rekonstruktion vorgenommen wird. Das Wiedererlangen der Funktion in solchen Fällen kann unter aktiven physiotherapeutischen Maßnahmen von einem bis eineinhalb Jahre dauern.

Aber auch bei später Vorstellungen oder bei lange bestehenden Plexus-Läsionen ist es auch nach vielen Jahren noch möglich, mit Sehnen und Muskelersatzoperationen einige Funktionen wiederherzustellen.


Bei lange bestehenden Plexus-Lähmungen ist es immernoch möglich, die eine oder andere Funktion mittels Ersatzoperationen zu verbessern. Im Gegensatz zur primären Nervenrekonstruktion, spielt hier das Zeitintervall keine Rolle.


Auch mit freier Muskeltransplantation kann man verschiedene Ziele erreichen wie in diesem Beispiel die Wiederherstellung der Schulterstabilität.

FAQ zur Therapie der Armplexuslähmung

Wann soll ich mich nach einer bestehenden Lähmung des Armes nach einem Unfall vorstellen?
Möglichst sofort.

Was sind die häufigsten Ausfälle bei Armplexuslähmungen?
Meistens Armhebe- und -beugeparese. Abhängig vom Grad der Verletzung kann es zur vollständigen Lähmung des betroffenen Armes kommen.

Wie entscheidet sich, ob ich mich einer chirurgischen Operation zur Armplexusrekonstruktion unterziehen soll?
Dies ist sehr fallabhängig. Meistens werden die Patienten, die gleich nach dem Unfall den Arzt ansprechen, bei Physiotherapeuten und Neurologen zur aktiven physiotherapeutischen Behandlung unter engmaschigen neurologischen Kontrollen vorgestellt. Die Indikation zur chirurgischen Behandlung wird dann gestellt, wenn die Lähmung nach wie vor vollständig persistiert oder wenn es nach einer leichten Kraftverbesserung der Muskulatur zu einem Stillstand kommt. Aus diesen Gründen sollten die chirurgischen Indikationen individuell gestellt werden.

Wie lange dauert der Krankenhausaufenthalt bei Armplexusrekonstruktionen?
In der Regel drei bis sieben Tage.

Wo und wie wird die postoperative Nachbehandlung durchgeführt?
Nach der Operation werden Patienten in einer heimatnahen Rehabilitationsklinik vorgestellt, wo aktive physiotherapeutische Behandlungsmaßnahmen unter engmaschigen neurologischen und neurophysiologischen Kontrolluntersuchungen durchgeführt werden können. Es wird direkte Rücksprache mit den weiterbehandelnden Ärzten/Physiotherapeuten gehalten, so dass eine koordinierte Gesamtbehandlung erfolgt.

Kann man bei seit längerer Zeit bestehender Lähmung des Armes noch irgendetwas tun, um die Funktion zu verbessern?
Eine primäre Nervenrekonstruktion nach längerem Krankheitsverlauf ist wenig erfolgversprechend, da die Zielmuskeln sich bindegewebig umgebaut haben könnten. In diesen Fällen bestehen verschiedene Möglichkeiten, durch Sehnen und Muskelverlagerungen bis zur neuen autogenen Muskelaufbauplastik einige verlorenen Funktionen des Armes/der Hand wiederherzustellen. Eine notwendige Bedingung hierfür ist ein passiv frei bewegliches betroffenes Gelenk. Solche OPs können auch mehreren Jahren nach der Verletzung durchgeführt werden.

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