Becken- Beinvenenthrombose

Unter einer Thrombose versteht man den akuten Verschluß eines Blutgefäßes durch ein Blutgerinnsel, welches im Gefäß selbst entsteht. Bevorzugt entstehen diese Gerinnsel in den Venen des Becken oder des Beines. Einmal entstanden, kann sich weiteres Gerinnselmaterial anlagern, so dass im Extremfall das gesamte venöse System eines Beines dadurch verstopft werden kann. Außerdem können sich diese Gerinnsel lösen und über das rechte Herz in die Lungenstrombahn ausgeschwemmt werden. Dies führt zu einer sogenannten Lungenembolie, eine Ereignis, das lebensgefährlich ist. Wenn eine Thrombose nicht behandelt wird, wird der Thrombus durch körpereigene Reparaturprozesse abgebaut. Im Rahmen dieses Abbauprozesses kommt es aber zu einer Zerstörung des venösen Klappenapparates. Dies hat zur Folge, dass das Blut aus den Venen nicht mehr in die richtige Richtung fließt, sondern sich stattdessen ein chronischer Rückstau des Blutes in das Bein etabliert. Die Folge ist eine chronisch-venösen Insuffizienz. Diese ist charakterisiert durch eine Reihe von entzündlichen Prozessen, die ihrerseits zu Ernährungsstörungen der Haut, zu Verfärbungen und zu Geschwüren (Offenen Beinen) führen. Dieser gesamte Symptomkomplex wird auch als postthrombotisches Syndrom bezeichnet.



Es gibt eine Reihe von Faktoren, die das Risiko zur Ausbildung einer Thrombose begünstigen. Zu diesen zählen:

  • Ruhigstellung des Beines (Gips)
  • Operation im Becken-/Hüftbereich
  • Tumorerkrankungen
  • Angeborene Gerinnungsstörungen (Protein C/S-Mangel, Faktor –V-Leiden Mutation)
  • Fettleibigkeit
  • Bewegungsmangel
  • ‚Pille‘

Klinisch ist eine Thrombose meist durch folgende Zeichen charakterisiert:


  • Umfangsdifferenz aufgrund der Anschwellung des Beines
  • Schweregefühl des betroffenen Beines
  • lokale Druckempfindlichkeit
  • Seitendifferenz in der Hauttemperatur
  • Gestaute Hautvenen

Bei Verdacht auf eine Thrombose müssen umgehend weitere Untersuchungen durchgeführt werden, um die Diagnose zu sichern, da sofort eine effektive Behandlung eingeleitet werden muß. 


  • Blutentnahme mit ggf. Nachweis von D-Dimeren im Blut
  • Duplex-Sonographie: Hohe Treffsicherheit im Nachweis von Thromben in den Venen. Lediglich in der Becken- und Unterschenkelstrombahn können ist die Aussagekraft eingeschränkt.
  • Phlebographie: Wenn die durch die Duplexsonographie keine eindeutige Sicherung erfolgen kann, ist die Phlebographie eine Alternative. Durch eine Röntgenaufnahme können die Venen nach Gabe eines Kontrastmittels und eventuelle thrombotische Gerinnsel direkt dargestellt werden.
  • Computertomographie: Bei bestimmten Fragestellungen können die Venen auch mit der Kernspintomographie oder der Computertomographie dargestellt werden.


Therapie

Da die Folgen einer Thrombose im oben skizzierten postthrombotischen Syndrom sowie in der Lungenembolie bestehen, zielt die Therapie der Venenthrombose darauf, diese Komplikationen zu verhindern.


Erster Therapieschritt ist die Einleitung einer medikamentösen Blutverdünnung. Dazu wird üblicherweise ein niedermolekulares Heparin verwendet, das subkutan (unter die Haut) gespritzt werden muss. Diese Therapie wird später auf Marcumar-Tabletten umgesetzt, wobei sich die Dauer der Therapie je nach Ausdehnung und Lokalisation der Thrombose über drei bis zwölf Monate erstreckt. Um die korrekte Dosierung zu überprüfen und somit das potentielle Blutungsrisiko zu senken, müssen regelmäßige Blutuntersuchungen erfolgen. Dabei wird der sog. Quick-Wert bzw. die INR bestimmt.

Komplettiert wird die Behandlung durch eine Kompressionstherapie. Dadurch soll der venöse Rückstrom verbessert werden. Anfänglich werden Kompressionsbinden, nach Abschwellung wird ein Kompressionsstrumpf der Klasse II eingesetzt. Die Kompressionstherapie ist geeignet, die Häufigkeit des postthrombotischen Syndroms um die Hälfte zu reduzieren.


Eine strenge Bettruhe bei dem Nachweis einer tiefen Venenthrombose ist heute obsolet, da Studien bewiesen haben, dass durch Bettruhe weder die Häufigkeit noch der Schweregrad von Lungenembolien gesenkt werden konnten. Nur zur anfänglichen Linderung der Beschwerden bei stark schmerzhafter Beinschwellung ist eine kurzfristige Bettruhe angezeigt. Daher kann häufig auch eine ambulante Therapie bei einer Becken- oder Beinvenenthrombose realisiert werden.



Wegen des erheblichen Blutungsrisikos wird eine medikamentöse Auflösung der Thromben (Lyse) heutzutage nur selten praktiziert. 



Eine operative Thrombektomie durch einen in der Leiste eingebrachten Katheter ist meist nur bei jüngeren Patienten und bei Vorliegen einer Beckenvenenthrombose indiziert. 


Wenn eine Antikoagulation wegen eines hohen Blutungsrisikos nicht möglich ist, kann ein Filter (Cava-Schirmchen) in die herznahe Hohlvene (Cavafilter) platziert werden. Durch diesen können kleine Gerinnsel vor Erreichen der Lunge abgefangen werden und eine Lungenembolie verhindern.
 



In den Kliniken des Main-Taunus-Kreises können sämtliche Untersuchungen zur Diagnostik der tiefen Venenthrombose durchgeführt werden. Es bestehen große Erfahrungen in der operativen Therapie sowie der Lysetherapie.

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