Abszesse

Periproktitischer Abszess

Ein Abszess ist eine umkapselte Eiteransammlung in einer nicht präformierten Körperhöhle, die durch entzündliche Gewebseinschmelzung entsteht.


Ursache

• Beim Periproktitischen Abszess ist der Entzündungsherd immer eine der um den inneren Sphinkter herum gelegenen Proktodealdrüsen. Von hier aus breitet sich die Entzündung weiter aus (Periproktitis) und es kommt zu einem Abszess.
• Abszesse können spontan perforieren. Das sich entleerende Sekret ruft weitere Entzündungen und einen narbigen Umbau hervor, wodurch sich bindegewebige, stabile Fistelgänge zwischen Analkanal und äußerer Analregion ausbilden (komplette Fisteln).
• Mitunter verschließt sich die Fistelöffnung, so dass der Fistelkanal blind endet (inkomplette Fisteln).
• Bei langjähriger Krankheitsdauer bildet sich evtl. ein komplettes Gangsystem aus Fistelgängen


Symptome und Diagnostik
• sehr schmerzhaft, Spannungsgefühl, evtl. Fieber, Schüttelfrost, nur bei oberflächlichen Abszessen: Rötung und Schwellung
• eine äußere Fistelöffnung macht sich durch entsprechend verschmutzte Unterwäsche bemerkbar und ist bei der Inspektion sichtbar
• eine innere Fistelöffnung lässt sich bei der rektalen Untersuchung manchmal als kleines Knötchen mit dem Finger tasten.
• Labor: ansteigende Entzündungswerte (CRP, Leukozyten)
• bildgebende Diagnostik: endorektaler Ultraschall, Computertomografie oder Magnetresonanztomografie
• Punktion: sichtbarer Eiter, positive Bakterienkultur (und Resistogramm)

Therapie
Zur Therapie des Abszesses gilt noch immer unbeschränkt das dem griechischen Philosophen und Arzt Hippokrates zugeordnete Zitat: „Ubi pus, ibi evacua. (Wo Eiter ist, dort entleere ihn)“
D. h. die entscheidende Therapie besteht im Eröffnen und Abfließenlassen des Eiters durch eine Operation, bei der nach Eröffnung und Entleerung die Abszesshöhle gespült und drainiert wird. Die Wundhöhle wird bis zur vollständigen Abheilung offen gehalten. In derselben Operation wird auch eine Rektoskopie erfolgen um gegebenenfalls eine innere Fistelöffnung, die später operativ versorgt werden muss zu entdecken. Diese findet sich so gut wie immer auf Höhe der linea dentata (Übergang von Anoderm zur Rektumschleimhaut). Für gewöhnlich wird die Operation in Teil- oder Vollnarkose durchgeführt. Nur in Ausnahmefällen werden Weichteilabszesse auch in lokaler Infiltrationsanästhesie eröffnet, da diese zur Keimverschleppung führen kann. Ein zweiter Grund zur Vermeidung einer Infiltrationsanästhesie liegt an deren mangelnder Wirksamkeit im entzündeten Gewebe. In schweren Fällen und insbesondere bei Sepsis kommt zusätzlich eine Behandlung mit einem oder mehreren Antibiotika in Frage. Eine noch kaum verbreitete und nicht ungefährliche Therapieform bei wiederholtem (rezidivierenden) Auftreten von Abszessen ist der Einsatz vonAutovaccinen, einer Art „Impfstoff“ aus den vom Kranken entnommenen Erregern.

 
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