Erkrankungen der Nebenschilddrüsen

Anatomie und Funktion


Es gibt in der Regel vier Nebenschilddrüsen (Epithelkörperchen), die an der Rückseite der Schilddrüse lokalisiert sind. Selten können sie auch im Thymus oder andernorts am Hals oder im Brustkorb liegen. Gelegentlich sind mehr als vier Nebenschilddrüsen vorhanden, ganz selten nur drei.

In den Nebenschilddrüsen wird das Parathormon produziert, welches zusammen mit dem Kalzitonin aus der Schilddrüse und dem Vitamin D, das in der Niere gebildet wird, den Calciumhaushalt reguliert. Es besteht ein sehr fein abgestimmter Rückkopplungsmechanismus im Körper, durch den der Calciumspiegel im Blut in sehr engen Grenzen konstant gehalten wird. Parathormon erhöht den Calciumspiegel im Blut über drei Mechanismen: Es fördert die Wiederaufnahme von Calcium aus dem Urin in der Niere, es fördert die Freisetzung von Calcium aus dem Knochen und es regt die die Bildung von Vitamin D an.

Primärer Hyperparathyreoidismus (pHPT)


Darunter versteht man eine Überproduktion von Parathormon, die in 80-85% der Fälle Folge einer gutartigen Vergrößerung einer Nebeschilddrüse (einem Adenom) ist. In 10-15% der Patienten sind mehrere Nebenschilddrüsen vergrößert. Dies bezeichnet man als Hyperplasie. Ein bösartiger Tumor der Nebenschilddrüsen als Ursache ist eine absolute Seltenheit. Außerdem kann ein Hyperparathyreoidismus im Rahmen eines MEN-Syndroms (multiple endokrine Neoplasie) auftreten. Typische klinische Zeichen der Erkrankung sind Nierensteine, Müdigkeit, Antriebslosigkeit, depressive Verstimmung, Magen-Darmbeschwerden oder auch rheumatische Beschwerden. Durch den vermehrten Knochenabbau (Osteoporose) können auch Knochenschmerzen auftreten.

Sekundärer Hyperparathyreoidismus (sHPT)


Bei Patienten mit einer dialysepflichtigen Nierenerkrankung können alle 4 Nebenschilddrüsen erkrankt und damit vergrößert sein. Die Beschwerde bestehen vorwiegend in Knochenschmerzen.

Diagnostik und Therapie


Diagnostik

Wenn bei inem Patienten bei der Blutuntersuchung ein erhöhter Calciumspiegel in Verbindung mit einem deutlich erhöhten Parathormonspiegel gemessen wird, ist die Erkrankung gesichert. Um die genaue Ursache zu bestimmen, erfolgt dann zur genauen Lokalisierung eine Sonographie (Ultraschall) der Halsregion. Hinzu kommt meistens eine sogenannte Sestamibi-Szintigraphie, eine nuklearmedizinische Untersuchung des Halses. Nur Patienten, die erneut wegen einer Überfunktion der Nebenschilddrüse operiert werden oder bei denen eine erste Operation erfolglos war, benötigen weitere Untersuchungen. Zu diesen zählen die Computertomographie (CT) oder Kernspintomographie (MRT) und die selektive Venenblutentnahme in der Halsregion über einen Venenkatheter.


Therapie

Mit der Diagnosestellung ergibt sich die Indikation zur Operation. Das Verfahren der Wahl ist die chirurgische Entfernung des Adenoms. Bei genauer Lokalisation durch die Voruntersuchungen kann das Adenom durch einen sehr kleinen Schnitt am Hals aufgesucht und entfernt werden. Um sicher zu sein, das der Patient auch ‚biochemisch‘ geheilt ist, wird bei der Operation der Parathormonspiegel gemessen. Wenn sich hier ein entsprechender Abfall des Wertes zeigt, ist der Erfolg derOperation dokumentiert.

Bei einer Hyperplasiesollten 3 ½ der 4 Drüsen entfernt werden. Die verbliebene halbe Drüse wird in dem M. sternocleidomastoideus implantiert und mit einem Clip oder einem nicht-resorbierbaren Faden markiert. Eine Markierung sollte durchgeführt werden um das Gewebe im Falle einer Hyperplasie gut auffinden zu können. Auf jeden Fall sollte der Ort der Reimplantation im Operationsbericht festgehalten werden. Sicherheitshalber wird in einem solchen Fall NSD-Gewebe in Stickstoff zu einer eventuellen späteren Reimplantation eingefroren (kryopräserviert) und archiviert. Damit steht ggfs. Noch NSD-Gewebe zur Verfügung, wenn das Gewebe nicht am Ort der Reimplantation "anwächst".

Nachbehandlung


Primärer Hyperparathyreoidismus (pHPT)

Nach einer erfolgreichen Operation normalisiert sich der Calciumwerte sehr schnell. Da das Skelett häufig einen erheblichen Calcium mangel hat, sollte über 3 Monate eine Calciumsubstitution mit Brausetabletten erfolgen.


Sekundärer Hyperparathyreoidismus (sHPT)

Bei diesen Patienten ist durch die lang anhaltende Nierenschädigung und der damit einhergehenden Knochenentkalkung der postoperative Calciumbedarf so hoch, dass anfänglich eine Calciumsubstitution über die Vene (i. v.) durchgeführt werden muß. Nach einiger Zeit kann dann auf eine Tablettengabe (Brausetablette) umgestellt werden. Zusätzlich benötigen die Patienten Vitamin D. Es dauert bis zu drei Monaten, bis das Autotransplantat angewachsen ist. Daher muß die zusätzliche Calciumgabe wenigstens so lange erfolgen, oft ist diese aber noch länger erforderlichnotwendig.
Vorgehensweise in unserer Klinik

Jeder Patient wird vor der Operation interdisziplinär besprochen. Bei Verdacht auf einen genetischen Defekt (MEN-Syndrom) werden schon vor der Operation die entsprechenden Untersuchungen veranlasst. Während der Operation selbst werden Schnellschnittuntersuchungen an entnommenem Nebenschilddrüsengewebe durchgeführt, außerdem erfolgt das Parathormon-Monitoring (s.o.). Dadurch kann die Operation auch auf den kleinen Teil des Halses beschränkt bleiben, an dem die vergrößerte Nebenschilddrüse vor der Operation lokalisiert worden war. Zudem erfolgt auch während einer Nebenschilddrüsenoperation das so genannte Neuromonitoring der Stimmbandnerven.

Kontakt + Auskunft

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