Verschlüsse der Aorta und der Beckenarterien bei pAVK

Leriche-Syndrom

Der komplette Verschluß der Bauchschlagader, der in der Regel unterhalb der Abgänge der Nierenarterien auftritt, wird als Leriche-Syndrom bezeichnet. Es handelt sich um eine Erkrankung, die sich über einen längeren Zeitraum entwickelt. Dadurch ist der Körper in der Lage, Umgehungskreisläufe, sogenannte Kollateralgefäße zu bilden.

Die Symptomatik ist gekennzeichnet durch das Fehlen von Pulsen in den Leisten, durch eine Minderung der schmerzfreien Gehrstrecke (Claudicatio intermittens, Schaufensterkrankheit), wobei die Schmerzen in der Gesäßmuskulatur und der Oberschenkelmuskulatur auftreten und beim Mann durch Impotenz.

Akuter Beckenarterienverschluß

Der Beckenarterienverschluß kann auch akut z.B. durch ein aus dem Herz verschlepptes Gerinnsel auftreten. In diesem Fall tritt ein sehr dramatisches Krankheitsbild auf. Durch den akuten Verschluß kommt es zu einer schweren Durchblutungsstörung beide Beine mit starken Schmerzen unmd Lähmungserscheinungen. Durch den plötzliche Aortenverschluß steigt der Widerstand im Gefäßsystem, das Herz muß verstärkt pumpen. Dies kann zu einer Herzdekompensation führen. Ohne Therapie entwickelt sich ein Schock, an dem der Patient verstirbt.

Therapie
Beide o.g. Erkrankungen können nur gefäßchirurgisch saniert werden. Beim akuten Beckenarterienverschluß wird in der Regel über beide Leistenarterien mit Hilfe eines Embolektomiekatheters (Fogarty-Katheter) das Gerinnsel aus der Aorta entfernt. Wenn dadurch die Durchblutung wieder hergestellt werden kann, so kann die Operation schnell beendet werden, die Prognose ist relativ gut. Entscheidend ist jedoch die frühzeitige Operation innerhalb von 6 Stunden.

Sollte diese Maßnahme nicht zum Ziel führen, dann ist ein Bypass zwischen der gesunden Aorta direkt unterhalb der Nierenarterien und den beiden Leistenarterien (A. femoralis communis) erforderlich. Die dabei verwendete Prothese hat die Form eines umgedrehten ‚Y‘, da sie von der Aorta auf die beiden Leistenarterien aufgenäht wird. Dazu muß ein Bauchschnitt verwendet werden. Beim akuten Beckenarterienverschluß hat diese Notfalloperation eine relativ schlechte Prognose.

Im Gegensatz dazu wird beim Lerichsyndrom fast immer eine Y-Prothese als sogenannter "aortobifemoraler Bypass" implantiert. Da diese Operation geplant erfolgt und der Patient gut vorbereitet werden kann, sind die Ergebnisse bei der chronischen Erkrankung deutlich besser. Nur sehr selten muß ein Bypass von der Schlüsselbeinarterie auf beide Leistenarterien als sogenannter ‚axillobifemoraler‘ Bypass angelegt werden. Dies kann bei extremer Verkalkung der Aorta der Fall sein.

Einseitiger Beckenarterienverschluß

Einseitige Beckenarterienverschlüsse treten häufiger auf, kennzeichnend sind hier meist eine Claudicatio sowie auch hier der fehlende Leistenpuls. Sofern keine zusätzlichen Verschlüsse der Blutgefäße im Bein vorliegen, besteht keine akute Gefährdung, so dass Beckenarterienverschlüsse insgesamt mit günstiger Prognose therapiert werden können.

Therapie
Je nach Länge und Aussehen der Verschlüsse in der Angiographie, stehen verschieden Behandlungsverfahren zur Verfügung. Kürzere Verschlüsse werden interventionell-radiologisch behandelt. Hierbei wird durch Katheter der Verschluß passiert, aufgedehnt (PTA) und ein Stent (Metallröhrchen) implantiert. Dieses Verfahren kann auch beidseitig angewendet werden.

Gelingt dies nicht oder handelt es sich um längere Verschlüsse, so muss ein Bypass angelegt werden. Dieser kann entweder von der Aorta (aortofemoraler Bypass) oder von der Beckenschlagader (iliacofemoraler Bypass) auf die Leistenarterie angelegt werden. Für diese Operation muß man nicht die Bauchhöhle eröffnen, so dass der Eingriff relativ schonend realisiert werden kann. Manchmal kann die verkalkte Gefäßinnenwand mit einem sogenannten Ringstripper, einem Draht , der vorne eine an den Durchmesser des Gefäßes angepasste Öse hat, aus der Beckenschlagader herausgelöst werden, so dass sich ein aufwendigerer Bypass erübrigt. Man nennt dieses Verfahren "retrograde TEA" (Thrombendarteriektomie).

Bei gut durchgängiger Beckenarterie der Gegenseite und einem hohen Risikoprofil des Patienten kann auch ein Cross-Over-Bypass eingesetzt werden. Dabei verläuft der Bypass von der gesunden anderen Seite (Oberschenk- oder tiefe Beckenarterie) zur kranken Seite gelegt. Dieser Eingriff kann in ausgewählten Fällen sogar in lokaler Betäubung durchgeführt werden. 

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