Obstruktives Defäkationssyndrom

Prinzipiell müssen zwei Formen unterschieden werden:

• die eine Form der Verstopfung entsteht durch eine verzögerte oder verlangsamte Darmpassage (slow-transit-constipation),

• die andere wird aufgrund einer gestörten Stuhlentleerung (Defäkation) im kleinen Becken verursacht (outlet obstruction).


Ursache
Für das Obstruktives-Defäkations-Syndrom (engl. obstructed defecation syndrom) gibt es verschiedene Ursachen.

• Bei der slow-transit-constipation wird durch mangelnde Beweglichkeit des Darms der Darminhalt nur langsam vorwärts bewegt. Hierdurch entsteht harter Stuhl, wodurch es zu einer chronischen Verstopfung kommt. Die Ausscheidung kann dadurch um bis zu zwei Wochen verzögert sein.
• Bei einer outlet obstruction kann eine Störung der Nervensorgung zum kleinen Becken oder des Enddarms der Grund für eine Verunmöglichung der Stuhlentleerung sein. Andererseits können aber auch Veränderungen des kleinen Beckens selber wie zum Beispiel eine Aussackung des Enddarmes (Rektozele), ein Enddarmvorfall (Rektumprolaps) oder ein Tumor im Enddarm die Stuhlentleerung behindern. Als häufigste Ursache findet man einen inneren Enddarmvorfall (Intussuszeption) mit einer Vorwölbung des Enddarms in die Scheidenhinterwand (anteriore Rektozele).

Der Begriff des Obstruktiven-Defäkations-Syndroms erklärt das Problem, dass durch den inneren Vorfall der Stuhl den Enddarm nicht passieren kann und stecken bleibt. Die Patienten pressen dann zunehmend und dadurch erhöht sich der Druck im Enddarm und es kommt in der Folge bei Frauen z. B. zur Ausbildung einer Vorwölbung in die Scheidenhinterwand. Exzessives Pressen führt häufig dann dazu, dass auch der Dünndarm (Enterocele) oder Teile des Mastdarmes (Sigmoidocele) sich ins kleine Becken heruntersenken und zusätzlich noch von innen auf den Damm oder den Enddarm drücken, was die Stuhlentleerung zusätzlich behindert.


Symptome und Diagnostik
Die Erkrankung betrifft vorwiegend Frauen ab dem 60. Lebensjahr mit mehreren Geburten und einer Entfernung der Gebärmutter in der Vorgeschichte. Meist klagen die Patientinnen über eine verlängerte und erschwerte Stuhlentleerung. Sie müssen oft stark pressen oder sogar mit den Fingern sich des Stuhls entledigen. Häufig können sie ohne Einnahme von Abführmitteln oder Einläufen den Stuhl nicht entleeren. Auch fühlen sie oft eine unvollständige Stuhlentleerung und verbringen deshalb sehr viel Zeit auf der Toilette.


Therapie
Die Schwierigkeit, den Enddarm zu entleeren (outlet-obstruction), gehört in den Formenkreis der chronischen Verstopfung.
Die Therapie richtet sich nach Ursache und insbesondere nach Ausprägung der Beschwerden.
Konservative Therapie

Als wichtigste nicht operative Maßnahme gelten die Erhöhung der täglichen Trinkmenge und die medikamentöse Beeinflussung der Stuhlkonsistenz durch sogenannte Weichmacher. Das können Klistiere, Einläufe, salzhaltige Abführlösungen, indischer Flohsamen oder Milchzuckerpräparate sein. Kontraproduktiv sind in der Regel althergebrachte Hausmittel wie Leinsamen, Weizenkleie oder Dörrobst, da sie bei nicht ausreichender Trinkmenge (und wer trinkt schon genügend?) zu voluminösen festen Stühlen führen, denen sich die Patienten dann schwer entledigen können.

Auch bei einer verlangsamten Darmpassage (slow-transit-constipation) ist ein weicher Stuhl oft hilfreich.
Regelmäßige Klistiere werden dazu benutzt, um den Darm zu entleeren. Wesentlich effektiver ist das vollständige Ausspülen des Dickdarms (Irrigation) mit einer einfachen Apparatur einmal pro Tag.

Mit Beckenbodengymnastik kann man die Muskulatur im Beckenboden stärken, aber auch eine Entspannung und damit eine effektive Stuhlentleerung trainieren. Gut wirksam ist dabei die Verwendung von speziellen Trainingsgeräten (Biofeedback), die speziell auch bei einer Beckenbodendyssynergie eingesetzt werden.


Operative Therapie

STARR
Wenn eine Stuhlentleerungsstörung durch eine Aussackung (Rektozele) oder eine Einstülpung des Mastdarms (Intussuszeption) bedingt ist, können diese Veränderungen der Darmwand bei Versagen der konservativen Therapie mit einer befundorientierten und limitierten Operation (Stapled Transanal Rectum Resection STARR) abgetragen werden.
Bei der Operation wird die Wand des Enddarmes mit einer Naht gefasst, in ein Klammer-nahtgerät eingezogen, anschließend abgetrennt und gleichzeitig wieder vernäht. Hierdurch wird der Enddarm „geliftet“ und kann besser entleert werden.


Resektionsrektopexie
Bei der Operation wird der Schleifendarm, der dem Mastdarm vorgeschaltet ist entfernt und der Darm mit einem Klammernahtgerät wieder zusammen genäht. Zusätzlich erfolgt eine Fixation des gekürzten Darmes durch Naht oder mit Hilfe eines Kunststoffnetzes am Kreuzbein. Die Operation kann über einen offenen Bauchschnitt erfolgen, wird heute aber in der Regel minimal invasiv mittels Kameratechnik („laparoskopisch“) durchgeführt.


Operation nach Altemeier oder Rehn-Delorme
Bei bettlägerigen Patienten im fortgeschrittenen Lebensalter kann ein immer wiederkehrender Enddarmvorfall durch einen operativen Eingriff durch den After abgetragen oder gerafft werden.

 
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